Siemens comfoset 150
Siemens comfoset 150 – ein Fernsprecher für Wahl bei aufliegendem Hörer und Lauthören
Das Siemens comfoset 150 ist ein Fernsprechtischapparat mit Komfortfunktionen, wie sie ab Ende der 70er Jahre vermehrt
von den Kunden der Deutschen Bundespost nachgefragt wurden. Diese Apparate ersetzten das damals in nahezu jedem mit
Telefonanschluss ausgestatten Haushalt vorhandene graue FeTap61 und waren in lindgrün, bordeauxrot und später auch
hellrotorange erhältlich. Telefone wurden damals noch gemietet, und jedes Komfortmerkmal kostete extra. Der zeitgemäss
gekleidete Herr auf dem Bild freut sich trotzdem über sein Komforttelefon.
Das Siemens comfoset 150 wurde von der Bundespost als Modell 95 vertrieben und war in zwei Ausführungen mit und ohne
Schauzeichen für den Betrieb als sogenannte „kleine Hausanlage“ in A2-Schaltung verfügbar. Bei dieser Schaltung wurden
an einer Amtsleitung zwei Telefone betrieben, mit denen jeweils abwechselnd gesprochen werden konnte. Das erste der
beiden Geräte wurde dabei bevorzugt und schaltete bei Benutzung den zweiten Apparat stumm: der zweite Apparat konnte
nur verwendet werden, solange der Hörer des Hauptapparats aufgelegt war. Aus diesem Grund waren die für eine Verwendung
als Hauptapparat vorgesehen Geräte mit einem Schauzeichen ausgestattet, das über eine elektromechanische Anzeige
signalisieren konnte, ob der Nebenapparat gerade benutzt wurde.
Bedienung
Der hervorragend geschriebenen Bedienungsanleitung ist nichts hinzuzufügen:
„Der Fernsprecher Siemens comfoset 150 mit integriertem Lautsprecher erlaubt Ihnen zunächst das Telefonieren in gewohnter
Weise. Darüber hinaus kann bei aufliegendem Hörer gewählt werden. Das Leistungsmerkmal „Lauthören“ ermöglicht über einen
sprachgesteuerten Verstärker Anwesende mit in das Telefongespräch einzubeziehen. Eine automatische Pegelregelung sorgt
dafür, dass die einmal eingestellte Empfangslautstärke konstant bleibt und nicht bei jedem Gespräch neu eingestellt werden
muss. Allerdings kann sie während eines Gesprächs auch individuell reguliert werden“
Bedienelemente
1 Lautsprecher
für Wahl bei aufliegendem Hörer und zum „Lauthören“, wenn Anwesende in das Gespräch einbezogen werden sollen.
2 Wähltastatur
3 Lauthörtaste
für
Wahl bei aufliegendem Hörer und zum „Lauthören“, wenn Anwesende in das
Gespräch einbezogen werden sollen. Im eingerasteten Zustand (unten) ist
die Taste rot, im ausgelösten Zustand (oben) ist sie weiß.
4 Signaltaste
für Rückfragen und Weitergabe von Amtsgesprächen
5 Rändelrad für Tonruf
a) zum Einstellen der gewünschten Lautstärke des elektronischen Tonrufs: Rändelrad drehen ohne den Fernsprecher anzuheben.
b)
zum Einstellen von 3 Tonruf-Klangstufen: Fernsprecher umdrehen, dann
z.B. Büroklammer in Schraubenschlitz des Rändelrads stecken und bis zu
einem von drei vorhandenen Rastpunkten drehen.
6 Schallaustrittsöffnung
für elektronischen Tonruf
7 Rändelrad für Lautsprecher
zum Einstellen der gewünschten Lautstärke beim Lauthören
8 Hörer
Wahl bei aufliegendem Hörer
|
| Verbindung herstellen: |
Lauthörtaste drücken
Taste eingerastet = rot
Wählton über Lautsprecher
Rufnummer wählen
Wählton verstummt
(Bei Wahl einer Amtskennziffer Amtswählton abwarten)
|
| Wahlkontrolle |
Wählimpulse der gewählten Rufnummer hörbar
|
| Entweder
Teilnehmer Freiton |
Freiton
Hörer während des Freitons oder spätestens beim Melden des Teilnehmers abheben
Lauthörtaste löst automatisch aus
Taste = weiß
Sprechen
|
| Oder Teilnehmer besetzt oder |
Besetztton oder
|
| meldet sich nicht |
noch Freiton
Lauthörtaste kurz drücken
Taste ausgerastet = weiß
|
Gespräch im Raum mithören (Lauthören)
|
| |
Telefongespräch über Hörer
|
| Anwesende sollen über Lautsprecher mithören (Lauthören) |
Lauthörtaste drücken
Taste eingerastet = rot
Gewünschte Lautstärke über Rändelrad für Lautsprecher einstellen
|
| Entweder
Lauthören beenden |
Lauthörtaste kurz drücken
Taste ausgerastet = weiß
Telefongespräch über Hörer fortsetzen
|
Die Signaltaste
|
Rückfrage während eines Amtsgesprächs
Bei einem anderen Nebenstellenteilnehmer
|
Signaltaste drücken
Wählton
Rückfrageverbindung wählen
Sprechen
Nach dem Rückfragegespräch Signaltaste erneut drücken Gespräch mit Amtsteilnehmer fortsetzen
|
Weiterleiten eines Amtsgesprächs an
Einen anderen Neben-
Stellenteilnehmer
|
Signaltaste drücken
Wählton
Rufnummer des gewünschten Teilnehmers wählen
Den sich meldenden Teilnehmer bitten, das Gespräch durch Drücken der Signaltaste an seinem Fernsprecher zu übernehmen.
Nach der Übernahme ertönt in Ihrem Hörer der Wählton (oder der Besetztton)
Hörer auflegen
|
Anschluss
Damals wurden Telefone noch nicht in TAE-Dosen eingesteckt, sondern fest mit den Anschlussdosen der Bundespost verbunden.
Geräteseitig gab es auch noch nicht die heute verbreiteten 4- oder 6-poligen Westernstecker, sondern als AS4 oder AS7
bezeichnete Anschlussleisten. Das comfoset 150 hat die 7-polige Anschlussleiste AS7; hier erfolgt der Anschluss an die
Amtsleitung über die Anschlüsse 3 (a/grün) und 4 (b/gelb), ein evtl. vorhandener Nebenapparat wird an AS1 (a2/weiss) und
AS2 (b2/braun) angeschlossen. Anschlussschnüre waren damals in 4- und 7-poliger Ausführung erhältlich, wobei in der
7-poligen Ausführung nur die ersten 6 Adern belegt waren. Das comfoset 150 kann mit beiden geräteseitigen Varianten
betrieben werden, wobei ein 4-adriger Stecker einfach versetzt auf die Anschlüsse AS3 bis AS6 gesteckt wird. Das Bild
zeigt das Modell mit Schauzeichen für die A2-Schaltung.
Erdtaste
Die Erdtaste wurde von älteren Nebenstellenanlagen als Signalisierungstaste verwendet und erfordert zusätzlich zur
a/b-Leitung eine Erdleitung, die mit AS6 (blau) der 7-poligen Anschlussleiste verbunden wird. Durch
Betätigen der Erdtaste wird eine Verbindung zwischen der Erde und der Leitung a, b oder beiden gleichzeitig hergestellt.
Die Erdtaste ist nicht zu verwechseln mit der R oder Flash-Taste, bei der die Telefonleitung kurz unterbrochen wird.
Diese Unterbrechung, die auch durch kurzes Betätigen der Gabel erreicht werden kann, ist im Grunde genommen ein Wählimpuls
und deshalb nicht mit dem Impulswahlverfahren kompatibel. Deshalb verfügen neuere Geräte über einen sogenannten Hook-Flash,
der länger unterbricht als ein Wahlimpuls und so von diesem unterschieden werden kann. Viele moderne Telefone verfügen über
die Möglichkeit, die Flashzeit zu programmieren. Wie dem auch sein, ein Umbau der Erdtaste in eine R-Taste ist aufgrund eben
dieser genau einzuhaltenden Unterbrechungszeiten nicht durch eine einfache Umverdrahtung möglich.
Der Nummernschalter
Das comfoset 150 ist mit einem Tastwahlblock TWB71 oder TWB75 ausgestattet. Mein Gerät hat den TWB75, der nur das
Impulswahlverfahren (IWV) beherrscht. An manchen modernen Telefonanlagen, sowie an vielen ISDN ab-Adaptern, können
Geräte mit Pulswahl nicht mehr betrieben werden. Hier hilft nur ein Austausch gegen einen TWB71.
Wartung und Reparatur
Das comfoset 150 ist weitgehend mit diskreten Bauteilen aufgebaut, und enthält nur drei integrierte Schaltkreise. Der auf
der Hauptplatine befindliche Sende/Empfangsverstärker sowie der Steuerverstärker der Regelschaltung setzen drei
Operationsverstärker ein, die sich in zwei DIL8-Gehäusen befinden (TAA765 und TAA2765). Diese Bauteile sind auch
heute noch problemlos erhältlich.
Schwieriger ist die Beschaffung des ML8204 Tonrufgenerators auf der Platine des Piezotonrufs rechts oberhalb des
Schauzeichenschalters. Diese von ST Microelectronics vertriebene Schaltung im DIL8-Gehäuse wurde für den Ersatz
von mechanischen Weckern in Telefonen entwickelt und kann ihre Versorgungsspannung aus der vom Klingelton erzeugten
Wechselspannung ableiten. Die Schaltung enthält zwei Oszillatoren, einen Ausgangsverstärker und eine
Betriebsspannungsregelung.
Ein anderer, bei älteren Geräten anzutreffender Fehler ist ein leichtes Brummen in der Hörkapsel.
Ursache ist der Kondensator C13, ein 2200uF Elko, an dem eine Spannung von 5.6V anliegt. Wenn dieser
Kondensator durch Alterung einen Teil seiner Kapazität verliert, entsteht ein Brummton, der mit
zunehmendem Kapazitätsabfall stärker wird. Ich habe diesen Kondensator durch einen Elko mit
höherer Spannungsfestigkeit (10V statt 6V) ersetzt.
Bei einem eventuellen Austausch des Hörers ist zu beachten, dass das
comfoset 150 empfindlich ist für Brummeinstreuungen über die Sprechkapselzuleitung. Aus
diesem Grund ist die Zuleitung bis zur Sprechkapsel verdrillt, wie im Bild
links zu sehen. Rechts im Vergleich die Verdrahtung eines normalen Telefonhörers. Ich habe
ausserdem festgestellt, dass das comfoset nur mit dynamischen Sprechkapseln
funktioniert, mit älteren Kohlekapseln dagegen nicht arbeitet.
Weiterführende Links
Mehr über den Anschluss alter Telefone und die Einbindung in moderne Anlagen findet
man auf den Seiten von kahlhans.de.
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