Main-Radwanderung

29. Mai bis 3. Juni 2013

29.5. Dormagen-Aschaffenburg (104km)

Der Main-Radweg gilt als einer der Schönsten in Deutschland: Weitgehend asphaltiert, kaum Steigungen, familienfreundlich und jederzeit mit einem sonnigen Biergarten in der Nähe. Grund genug, für 2013 die Etappe von der Mündung in den Rhein bei Mainz bis nach Bamberg in Angriff zu nehmen. Die Hotel- und Zugbuchungen, die wir aufgrund des erwarteten grossen Andrangs bereits im März vornahmen, waren ausgesprochen schwierig: Am letzten Mai- Wochenende werden traditionell zahlreiche Radwanderer erwartet, die das schöne Wetter ausnutzen. Darunter sind auch viele zahlungskräftige Altherrenteams, wie uns das eine oder andere Hotel wissen lässt, so dass eine frühzeitige Buchung notwendig ist und in den interessanteren Städten wie Würzburg oder Schweinfurt die besseren Hotels bereits belegt melden. Auch die Zugrückfahrt gestaltet sich schwierig, da die Bahn am Sonntag mit zahlreichen Sonntagsradlern rechnet. Wir stellen uns also auf Staus und Schlangestehen im Biergarten ein, und akzeptieren bei den Hotels den einen oder anderen Kompromiss.

Es sollte anders kommen: Die Abreise findet am Mittwoch, 29.5. um 9:30 im Regen statt; die Schutzkleidung muss sofort angelegt werden. Wir nehmen um 9:53 die S-Bahn nach Köln, kaufen ein Fischbrötchen und trinken ein oder zwei frühe Kölsch imBahnhof. Wir verpassen fast den Zug, da zeitgleich zu unserem IC auch ein Regionalzug fährt, der überall anhält und zwei Stunden länger braucht. In letzter Minute erkennen wir den Irrtum, wechseln das Gleich und finden uns in einem Grossraumwagen der Schweizer Eisenbahn wieder, in dem uns 7 Radwanderinnen mit Sekt versorgen. Um 12:34 erreichen wir Mainz und beginnen eine Schlammschlacht über unbefestigte Wege, die schnell Mann und Material mit Mergel belegt. Um 13:15 erreichen wir durchnässt Frankfurt, wo die Reiseunterlagen eigentlich eine Pause an der Mainuferpromenade vorsieht. Da uns allerdings sofort kalt wird, nachdem wir vom Rad steigen, beschränken wir die Pause auf einen Schokoriegel und einen Schluck wasser, und fahren weiter nach Hanau, wo wir um 16:30 ankommen und bei einer Konditorei halt machen müssen: Andreas hat seit 30km Visionen von Streuselkuchen. Eine Stunde später erreichen wir Seligenstadt, nach wie vor im Dauerregen, der inzwischen von stärker geworden ist, und kommen um 18:50 nach 5h06 effektiver Fahrzeit und 104km im Regen in Aschaffenburg an. Weil wir völlig verschmutzt sind, dürfen wir das Siegerbier nicht im Restaurant nehmen, sondern müssen im Eingangsbereich bleiben. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 20.5 km/h, was wir mehr als erstauntlich finden. Nach der heissen Dusche müssen wir auf Socken ins Restaurant, da die Schuhe erst mit dem Fön getrocknet werden müssen. Zum Glück ist ein diskreter, nicht überall einsehbarer Ecktisch für uns frei! Nach dem hervorragenden Essen im goldenen Ochsen trudeln nach und nach die Mitreisenden von Team B ein, und wir lassen zwei weitere Flaschen lokalen Wein öffnen. Später am Abend kommt eine Beschwerde aus dem Nachbarzimmer, dass Panos und Helmut zu laut sind, als nach 23h ein Absacker die Runde macht.

30.5. Aschaffenburg-Wertheim (76km)

Nach dem hervorragenden Frühstück im goldenen Ochsen treten wir um 10:25 etwas verspätet die Weiterreise an. Das Wetter ist entgegen der Vorhersage überraschend gut, und um 12:55 erreichen wir nach 44km und einem glatten 20er Schnitt das schöne Städtchen Miltenberg, das aus dem deutschen Kinofilm "Das Wirtshaus im Spessart" bekannt ist. Auf dem Weg nach Miltenberg war der Mainradweg mehrfach von Hochwasser blockiert.

Das schöne Wetter verleitet uns zu 4 Pils und Nudeln, bevor es erst kurz vor 15 Uhr weitergeht. Wir erreichen um 17:00 Wertheim, wo wir das Hotel Schwan nach schwieriger Einfahrt sofort finden. Die Tagesetappe betrug nur 76km, und die Durchschnittsgeschwindigkeit nur 18.5km, aber wir sind erleichtert, ohne Regen angekommen zu sein. Die Dame an der Rezeption zeigt sich allerdings als Spielverderberin und kündigt 100% Regenwahrscheinlichkeit für den folgenden Tag an, und verweist dabei auf ihren Zugang zum Landwirtschaftswetterbericht. Wir lassen uns davon zunächst nicht beeindrucken, beziehen zwei Junior-Suites und geniessen das im Arrangement inkludierte Abendessen. Noch während des Essens setzt allerdings Dauerregen ein, der auch in der Nacht nicht aufhört und die Stimmung trübt. Wir entscheiden uns in Anbetracht der am nächsten Tag bevorstehenden langen Etappe für ein frühes Frühstück um 7:45.

31.5. Wertheim-Kitzingen (114km)

Es regnet, die Wettervorhersage verspricht keine Besserung, und der Tag wird lang: Die Distanz zu unserem Tagesziel Kitzingen beträgt offizielle 140km. Noch während des Frühstücks werden wir unterbrochen: Hochwasser dringt innerhalb der nächsten 60 Minuten in die Tiefgarage ein, und wir werden aufgefordert, die Fahrräder nach oben zu holen. Das Frühstücks-TV berichtet von Hochwasser, Dauerregen und Unwetterwarnungen.

Wir brechen um 9:15 auf und erreichen um 10:50 nach 25km Marktheidenfeld, wo die Wasservorräte aufgestockt werden. Es regnet weniger als erwartet, und Panos entdeckt eine Abkürzung nach Karlstadt, mit der wir rund 30km sparen können, wenn wir den ohnehin überfluteten Mainradweg verlassen und den direkten Weg nehmen. Helmut meldet Bedenken wegen der zu erwarteten Steigungen an, lässt sich aber überzeugen und kauft vorbeugend Schmerztabletten.

Die Idee mit der Abkürzung erweist sich als vorteilhaft, wir können tatsächlich sogar bis Zellingen fahren. Kurz vor Ochsenfurt gibt es eine ambulante Streuselkuchenversorgung, und die Einheimischen bieten uns ein frühes Bier an, das Michael leider ausschlägt. Um 14:40 erreichen wir Würzburg nach nur 70km anstatt der ursprünglich vorgesehenen 100km. Nach 6:40h reiner Fahrzeit und 114km kommen wir um 18:30 in Kitzingen an, wo wir im Kitzinger Hof in einer 5-Bett Ferienwohnung übernachten. Da das Arrangement diesmal keine Halbpension vorsieht, und wir mit den Siegerbieren und dem Duschen viel Zeit verlieren, müssen wir uns mit Bratwurst und Sauerkraut um 22:00 zufrieden geben. Das Logbuch vermerkt, dass in Kitzingen die Lokale früh schliessen.

1.6. Kitzingen-Bamberg (91km)

Nach einem unerwartet unerwartet gut sortieren Frühstücksbuffet, bei dem sogar Sekt und Rührei mit Speck nicht fehlen, treten Panos und Helmut die Rückreise per Zug und Auto an. Gruppe A muss weiterfahren und verlässt um 9:45 Kitzingen, um 90 Minuten und 24km später nach einer Schlammschlacht auf einem nicht befestigten Teilstück des Radwegs Volkach zu erreichen. Als der Mainradweg an einer Stelle überschwemmt ist, nimmt Ingo einen Umweg und geht für den Rest des Tages verloren.

Der Mainpegel steigt weiter, und wir sind gezwungen, den Mainradweg endgültig aufzugeben und die direkte Route durch den Steigerwald zu nehmen. Gegen 13 Uhr erreichen wir Michelau, wo unsere Wasservorräte zu Ende gehen und alle Läden geschlossen sind. Wir befinden uns plötzlich auf dem Steigerwald-Panoramaweg, was irgendwie Angst macht. Während wir Steigung um Steigung nehmen, setzt starker Regen ein, ab Burgebrach zusätzlich mit Gegenwind. Andreas muss zum ersten Mal seit Beginn der Tour einen Snickers-Schokoriegel einschieben, und die Regenhose aus dem Sonderangebot erweist sich als untauglich.

Das Verlassen des Mainradwegs hat uns nicht vor dem Hochwasser gerettet, da auch die Wiesen im Steigerwald mit den Regenfällen überfordert sind. Auf einer Holzbrücke vor Stegaurach stürzt Andreas mit dem Rad, nachdem das Vorderrad auf dem glitschigen Untergrund weggerutscht ist. Michaels low-rider nehmen bei Durchfahrten durch Überschwemmungs- gebiete Wasser auf. Wir erreichen nach 5h effektiver Fahrzeit und 91km Bamberg, wo Ingo zeitgleich mit uns am Barockhotel am Dom wieder auftaucht. Wieder muss der Hotelfön helfen, die Kleidung zu trocknen.

Wir essen in der Brudermühle und suchen danach ein Weinlokal in der Sandstrasse auf.

2.6. Bamberg (91km)

Heute ist ein Ruhe- und Besichtigungstag, aber der Dauerregen zwingt zum häufigen Einkehren. Wir besichtigen Dom, Residenz, Klein-Venedig, die Michaelskirche, das alte Rathaus und die Altenburg, und landen schliesslich im Ambräusianum. Wir verabschieden uns von Bamberg in der Weinstube in der Sandstrasse und nehmen uns fest vor, beim nächsten Mal auch ins Schlenkerla zu gehen, um das ortsübliche Rauchbier zu probieren.

3.6. Bamberg-Dormagen

Da es immer noch regnet, beschliessen wir, einen früheren Zug zu nehmen, und verlassen um 9:45 das Hotel. Um 10:30 nehmen wir den Zug nach Würzburg, wo es ebenfalls regnet und wir daher gleich weiter nach Frankfurt reisen. Hier scheint die Sonne, und wir verbringen die zwei Stunden Wartezeit auf den IC nach Köln in der Fressgasse. Ein Früh-Ausschank unweit der alten Oper lädt zum Verweilen ein und erinnert an Köln, wo wir um 18:15 ankommen. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns, das gute Wetter zu nutzen und den Weg nach Dormagen mit dem Rad anzutreten. Leider ist das Hochwasser inzwischen auch in Köln angekommen und hindert uns daran, den Radweg am Rhein zu benutzen. Der traditionelle Halt beim Gretchen in Kasselberg fällt ebenfalls aus, da hier das Wasser bereits den Campingplatz geflutet hat. Wir erreichen um 19:44 den Ratskeller in Dormagen, wo die Tour mit einem letzten Kölsch endet.